Soziale Arbeit

10 spannende Berufe in der Sozialbranche, die nicht jede*r kennt

Ein »Job mit Sinn« wird oftmals auch mit einer Tätigkeit in der Sozialbranche assoziiert. Wie gut, dass diese mit ihren unglaublich vielen Teilbereichen und Spezialisierungsmöglichkeiten zu den abwechslungsreichsten auf dem Arbeitsmarkt zählt. Neben den gängigen Berufen in der Krankenpflege oder dem Jugendamt gibt es eine ganze Bandbreite an weiteren interessanten Tätigkeiten, die vielleicht nicht ganz so bekannt, aber nicht weniger spannend sind. Wir verschaffen dir hier den Überblick!

Sozialarbeiter*in oder Sozialpädagog*in sind die Berufe, die man am ehesten mit der »Sozialen Arbeit« in Verbindung bringt. Auch Kranken- bzw. Altenpfleger*innen gehören vermutlich zu den ersten Assoziationen, die man mit der Sozialbranche hat. In Wahrheit gibt es aber eine ganze Bandbreite an verschiedenen Tätigkeitsfeldern die in diese Sparte fallen und die ständig auf der Suche nach Nachwuchskräften sind. Beratung, Beistand und Hilfe stehen im Vordergrund dieser Berufsbranche, darüber hinaus nehmen Arbeitnehmer*innen aber auch Konzeptions-, Planungs-, Organisations-, Leitungs- und Koordinierungsaufgaben wahr.

Der Einstieg in die Sozialbranche erfolgt entweder über eine Ausbildung oder ein Studium. Auch hier sind die Auswahlmöglichkeiten breit gefächert und können je nach Interessengebiet gewählt werden. Grob kann gesagt werden, dass die meisten erzieherischen und pflegerischen Tätigkeiten durch eine Ausbildung geregelt sind und pädagogische, psychologische oder sozialpädagogische Berufe eher durch ein Studium erschlossen werden.

Mit diesem Artikel wollen wir dir eine kleine Übersicht bieten, welche Optionen abseits der gängigen Berufe auf dich warten könnten.

Ausbildungsberufe

Heilerziehungspfleger*in

Heilerziehungspfleger*innen sind für die pädagogische, lebenspraktische und pflegerische Unterstützung und Betreuung von Menschen mit geistiger, körperlicher, seelischer oder mehrfacher Behinderung zuständig. Dies tun sie für Menschen unterschiedlichsten Alters und begleiten ihre Schützlinge beispielsweise zur Schule, zur Arbeitsstätte, beim Einkaufen oder bei Behördengängen. Darüber hinaus planen Heilerziehungspfleger*innen auch deren Freizeitgestaltung und regen Menschen mit Behinderung zu kreativ-musischen und künstlerischen Tätigkeiten an. Meist erfolgt dies nach einem von ihnen erstellten Erziehungs- und Förderplan, der individuell auf die betreuten Personen abgestimmt wird. Die Ausbildung dauert in der Regel 2-3 Jahre und setzt die Mittlere Reife voraus.

Hebamme/Entbindungspfleger

Als Hebamme oder Entbindungspfleger unterstützt und betreust du werdende Mütter vor, während und nach der Geburt. Doch der Beruf umfasst mehr als nur süße Babies und Entbindungen. Du bist Ratgeber*in, Begleiter*in und Seelsorger*in zugleich und betreust das Geschehen während der Schwangerschaft, der Geburt und im Wochenbett. Dort führst du Ultraschalluntersuchungen durch, gibst Hilfestellungen bei Schwangerschaftsbeschwerden und führst eventuell auch Vorbereitungskurse für werdende Eltern durch. Auch die Dokumentation und Nachsorge der Säuglinge nimmt einen festen Teil deiner Arbeit ein. Während der Beruf der Hebamme bzw. des Entbindungspflegers noch durch eine duale Ausbildung an einer Hebammenschule absolviert wird, wurde kürzlich beschlossen, die Ausbildung zu akademisieren und künftig als Duales Studium anzubieten. Die Regelung tritt ab 2021 in Kraft. Dementsprechend wird auch das Abitur bzw. ein Fachabitur vorausgesetzt, die Ausbildung bzw. das Studium dauert in der Regel 3 Jahre.

Notfallsanitäter*in

Notfallsanitäter*innen sind nach einem Unfall oder in einer Notfallsituationen neben der Polizei meist die Ersten an Ort und Stelle und kümmern sich um Verletzte und Bedürftige. Je nach Situationen müssen sie Blutungen stillen, Wiederbelebungsmaßnahmen durchführen, Medikamente verabreichen und/oder Patient*innen stabilisieren. Sie führen danach den Patiententransport zum Krankenhaus durch und kündigen die Patient*innen im Krankenhaus an. Anschließend sterilisieren sie den Krankenwagen und die verwendeten Geräte und füllen den Medikamenten- und Equipmentbestand auf. Als Notfallsanitäter*in nimmt man aber nicht nur Tätigkeiten im Einsatzfahrzeug wahr, sondern wird auch oft für den Telefondienst in der Zentrale eingeteilt. Die Ausbildung erstreckt sich über 3 Jahre und beinhaltet neben der schulischen Ausbildung auch Praxisphasen, bei denen du das Gelernte in der Praxis anwenden musst. Voraussetzung ist mindestens die Mittlere Reife.

Kauffrau bzw. Kaufmann im Gesundheitswesen

Als Kauffrau oder Kaufmann im Gesundheitswesen ist man vor allem für die organisatorischen Tätigkeiten in Krankenhäusern, Arztpraxen oder Krankenkassen verantwortlich. Was genau du im Arbeitsalltag machst, hängt von deinem Einsatzort ab. In Krankenhäusern sehen die Tätigkeiten nämlich anders aus, als bei einer Krankenkasse. Im Krankenhaus nimmst du vor allem Patient*innen in Empfang, erfasst ihre Daten, rechnest die Leistungen ab und beschaffst Materialien. Darüber hinaus fallen, je nach Abteilung, auch Marketing- und Personalarbeit sowie Buchhaltung und Controlling an. Bei Krankenkassen sind es vor allem letztere Tätigkeiten, die den Hauptteil deiner Arbeit ausmachen. Dazu kommen noch andere organisatorische Aufgaben sowie die Beratung von Kund*innen und Patient*innen. Zugang zur Tätigkeit erlangt man über eine 3 Jährige Ausbildung, die mindestens die Fachhochschulreife voraussetzt.

Medizinisch-Technische*r Radiologieassistent*in (MTRA)

Als MTRA geht es ganz grob gesagt darum, Patient*innen für das Röntgen vorzubereiten und die Geräte zu bedienen. Natürlich steckt hinter der Arbeit aber weit mehr, als nur ein paar Knöpfe zu drücken und den Patient*innen Schutzkleidung anzuziehen. Es ist vielmehr eine Mischung aus technischer und sozialer Arbeit, denn neben der einwandfreien Bedienung der Röntgengeräte geht es vor allem auch darum, Patient*innen zu beruhigen, ihnen die Prozedur zu erklären und sie für die Aufnahmen vorzubereiten. Des Weiteren spritzt man eventuell Kontrastmittel und wertet nach der Erstellung der Aufnahme die Ergebnisse aus und hält diese schriftlich fest. Dies geschieht mit spezieller Software, dessen Bedienung du ebenfalls in deiner Ausbildung zum*zur Medizinisch-Technischen*r Radiologieassistent*in lernst. Die Auswertung der Bilder vollführt in der Regel der Arzt bzw. die Ärztin - was du allerdings übernimmst, ist die erste Prüfung der Aufnahmen auf Fehler oder Schatten. Auch hier dauert die Ausbildung 3 Jahre und wird generell über die Mittlere Reife erschlossen.

Berufe mit Hochschulqualifikation

Neben den Ausbildungsberufen gibt es auch eine Vielzahl an Tätigkeiten, die über ein Studium erschlossen werden:

Gesundheitsmanager*in

Gesundheitsmanager*innen arbeiten in Krankenhäusern, Versorgungszentren oder bei Kranken- und Rentenversicherungen und sind dort für die Prävention und Gesundheitsförderung, Gesundheitsberichterstattung und Evaluation zuständig. Der Großteil der Arbeit besteht darin, für diese Maßnahmen Konzepte zu entwickeln und diese zu betreuen. Es handelt sich hier also hauptsächlich um Projekt- oder Organisationsentwicklungen, du bist aber auch oft als Berater*in für Kund*innen gefragt. Hier hast du allerdings auch immer die ökonomischen Zusammenhänge im Blick und je nach Einsatzgebiet können auch administrative Tätigkeiten auf dich zukommen. Erschlossen wird dieser Beruf durch ein Studium im Bereich Gesundheitsmanagement oder -ökonomie bzw. Public Health oder Gesundheitswissenschaften.

Berater*in für Bildung, Beruf und Beschäftigung

Als Berater*in für Bildung, Beruf und Beschäftigung bist du die erste Anlaufstelle für Jugendliche und Erwachsene auf Arbeitssuche und begleitest und berätst diese bei der Berufswahl und/oder der (Wieder-)Eingliederung in die Arbeitswelt. Hierfür trägst du Informationen zusammen, erkundigst dich über eventuelle Förderungsmittel, planst Qualifizierungsmaßnahmen und führst Informationsveranstaltungen an Schulen und Bildungseinrichtungen durch. Schwerpunkte können in der Berufsorientierung, dem Fallmanagement oder der Reha-Beratung liegen. Arbeitgeber sind Agenturen für Arbeit oder Jobcenter, das Studium findet an der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit statt, die Standorte in Mannheim und Schwerin hat.

Klinische*r Linguist*in

Klinische Linguist*innen diagnostizieren und behandeln meist neurologisch bedingte Sprech- und Sprachstörungen bei Kindern und Erwachsenen. Dafür erstellen sie zunächst eine genaue Diagnose und konzipieren im Anschluss einen Therapieplan und erklären den Patient*innen und deren Angehörigen die therapeutischen Maßnahmen und/oder alternative Behandlungsmöglichkeiten. Während der Therapie musst du als Klinische*r Linguist*in auch die Fortschritte deiner*s Patient*in dokumentieren, die Therapie gegebenenfalls anpassen und im Anschluss Berichte schreiben. Zwar gibt es festgelegte Maßnahmen und Therapieformen, aber nicht jede*r Patient*in spricht gleich auf verschiedene Sprech- und Sprachübungen an. Hier ist also besonderes Feingefühl, aber auch pädagogisches Geschick gefragt, denn du musst dafür sorgen, dass deine Patient*innen in jeder Situation locker und motiviert bleiben. Arbeit finden Klinische Linguist*innen entweder in neurologischen Kliniken und Rehabilitationseinrichtungen oder in der eigenen Praxis. Auch die Forschung ist ein weiteres Arbeitsfeld, das aber meistens eine Promotion voraussetzt. Zugang zur Tätigkeit findet man entweder über ein logopädisches- bzw. sprachtherapeutisches Studium plus Weiterbildung oder über ein Linguistikstudium mit entsprechenden Schwerpunktfächern. Vielleicht auch interessant: Den Titel »Klinische*r Linguist*in (BKL)« darf nur führen, wer eine Prüfung vor dem Bundesverband Klinische Linguistik (BKL) abgelegt hat.

Psychosoziale*r Prozessbegleiter*in

Als Psychosoziale*r Prozessbegleiter*in unterstützt du besonders schutzbedürftige Personen vor, während und nach einem Gerichtsprozess und stehst ihnen für die Bewältigung der oft belastenden Verfahren zur Seite. Meist handelt es sich bei den Klient*innen um Opfer von sexueller oder nicht-sexueller Gewalt, von Menschenhandel, Hasskriminalität und/oder von anderen traumatischen Ereignissen. Hier brauchst du also besonderes Einfühlungsvermögen und therapeutisches Feingefühl, auch wenn du selbst keine psychologische Therapie bzw. Beratung durchführst. Deine Aufgabe besteht im Grunde genommen darin, deine Klient*innen zu stabilisieren, sie zu beruhigen und sie zu Vernehmungen bei der Polizei oder vor Gericht zu begleiten. Du fungierst also in gewisser Weise als »Fels in der Brandung«. Erschlossen wird der Beruf über eine ca. 1-jährige Weiterbildung. Voraussetzungen dafür sind in der Regel eine Ausbildung bzw. ein Studium im Bereich der Sozialpädagogik oder der Sozialen Arbeit sowie 2 Jahre Berufserfahrung.

Kunstpädagog*in

Wer sich neben dem Sozialen auch für die Kunst interessiert, könnte überlegen, als Kunstpädagog*in zu arbeiten. Diese konzipieren Projekte für verschiedene Zielgruppen in Bereichen wie Malerei, Fotografie, Video, Objektbau, Skulptur und Performance. Diese Projekte können sich von Workshops für Kinder, Jugendliche oder Erwachsene, bis hin zu Führungen in Museen oder Kunstausstellungen erstrecken. Sie erklären und demonstrieren künstlerische bzw. kreative Techniken, begleiten die Umsetzung und geben Hilfestellungen oder erklären Altersgerecht die verschiedenen kunstgeschichtlichen Hintergründe. Im Fokus steht also immer die Vermittlung von Kunst und die Anregung zu künstlerischen Tätigkeiten. Studieren kann man Kunstpädagogik entweder an Universitäten oder Kunsthochschulen, jedoch bietet nicht jede solch ein Studium an. Hier musst du dich vorher also gründlich informieren.

Noch mehr Berufsaussichten

Wie du siehst, gibt es viele Möglichkeiten sich im sozialen Bereich »auszutoben« und seine individuellen Neigungen und Fertigkeiten auszuleben. Neben den oben genannten Beispielen gibt es natürlich noch unzählige andere Berufe, die in Frage kommen können. Je nach Neigung und Interesse bietet der Bereich »Soziale Arbeit« auch Spezialisierungen auf bestimmte Alters- oder Sozialgruppen: Kleinkinder, Jugendliche, Erwachsene, Flüchtlinge oder Senior*innen, aber auch psychisch Kranke, Suchtkranke oder Familien aus sozialen Brennpunkten können Schwerpunkt deiner Arbeit sein. Im Folgenden ist eine genauere Übersicht der Aufgabenfelder gelistet:

  • Jugendhilfe, Hilfen zur Erziehung

  • Kinderschutz, Jugendarbeit

  • Soziale Dienste

  • Sozialplanung, Sozialmanagement

  • Straffälligenhilfe

  • Frauenförderung, Frauenbildung, Frauenberatung

  • Gerontologie, Einrichtungen der Altenhilfe

  • Sozialarbeit mit Migrant*innen, Flüchtlingen

  • Einrichtungen für Behinderte

  • Suchtberatung, Sozialpsychiatrie

  • Gesundheitshilfe, Einrichtungen des Gesundheitswesens

Falls du dir unsicher bist, welcher Beruf denn der richtige für dich ist, dann kann es durchaus hilfreich sein, sich bei der Agentur für Arbeit in deiner Stadt beraten zu lassen. Eine zweite, objektive Meinung kann dir bestimmt dabei helfen, Licht ins Dunkel zu bringen. Für einen ersten Überblick kannst du dir aber vielleicht schon mal deren Berufsinformations-Webseite »berufenet« anschauen. Dort sind viele Berufe nach Kategorien aufgelistet und geben neben Tätigkeitsbeschreibungen auch Zugangsvoraussetzungen, Gehälter und Perspektiven an.

Bei der Suche nach dem richtigen Job kann dir außerdem unsere Übersicht über Soziale Jobportale helfen - hier findest du, nach Tätigkeitsfeldern sortiert, die besten Online-Stellenmärkte für den Sozialen Sektor auf einen Blick!


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