Berufsorientierung

10 typische Berufsfelder in der Entwicklungszusammenarbeit

Nur mal kurz die Welt retten? Mit solch einer Einstellung sollte man eventuell nicht unbedingt an einen Job in der Entwicklungszusammenarbeit heran gehen, denn so einfach ist es letztendlich dann doch nicht. Wer aber trotzdem dazu beitragen möchte, die sozialen und ökonomischen Ungleichheiten in der Welt zu verbessern, könnte hier seine Berufung finden. Welche beruflichen Perspektiven sich im In- und Ausland für dich eröffnen, erfährst du in unserer Übersicht.

Wie in anderen Bereichen des Non-Profit-Sektors auch, gibt es in der Entwicklungszusammenarbeit (ersetzt immer mehr den umstrittenen Begriff der »Entwicklungshilfe« und betont so den partnerschaftlichen Ansatz einer nachhaltigen Entwicklungspolitik) ebenfalls eine Vielzahl an verschieden Berufen, die man ausüben kann, um eine sinnstiftende Arbeit zu leisten - entweder vor Ort oder hier in Deutschland.

Entwicklungszusammenarbeit (EZ) bezeichnet die »Gesamtheit aller staatlichen und privaten Maßnahmen, die von Industrieländern und internationalen Organisationen [...] zur wirtschaftlichen und sozialen Förderung von Entwicklungsländern getroffen werden« (bpb.de). Wie diese Maßnahmen letztendlich aussehen, ist oft ganz unterschiedlich und kommt sehr auf den betreffenden Staat bzw. die betreffende Hilfsorganisation an, die diese durchführen. Sie bestehen aber meistens aus Beratungshilfe (von Ärzt*innen, Ingenieur*innen etc.), technischer Hilfe (in Form von Materialien, Ausbildungshilfe) oder aber finanziellen Zuschüssen und humanitären Zuwendungen in Form von Nahrungsmittel- und Medikamentenspenden (z.B. nach schweren Naturkatastrophen).

Auch wenn die Entwicklungszusammenarbeit nicht ganz unumstritten ist, kann sie dazu beitragen, das Leben vieler Menschen positiv zu beeinflussen und ihnen die Möglichkeit geben, aus Notständen herauszukommen und diese in Zukunft zu vermeiden. Um dies zu ermöglichen werden aus ganz unterschiedlichen Bereichen Expert*innen benötigt, die ihr (Fach-)Wissen und ihre Erfahrung für eine gute Sache anwenden und dieses an andere Menschen weitergeben.

Der Job, der einem bei dem Wort »Entwicklungszusammenarbeit« natürlich am ehesten in den Sinn kommt, ist der des*der Entwicklungshelfer*in. Darüber hinaus gibt es aber noch eine ganze Bandbreite an anderen Berufen, die man in der Entwicklungszusammenarbeit ergreifen kann. Einige möchten wir dir hier gerne vorstellen:

1. Entwicklungshelfer*in

Um diesen Job kommen wir in dieser Auflistung natürlich nicht drumherum, ist er doch der Beruf schlechthin, wenn es um Tätigkeiten in der Entwicklungszuammenarbeit geht. Was viele allerdings nicht wissen: Entwicklungshelfer*innen leisten, im Gegensatz zu anderen Expert*innen, nur eine befristete Zeit (max. 6 Jahre am Stück) ihren »Dienst«, haben dabei offiziell keine »Erwerbsabsicht« und beziehen dadurch also kein klassisches Gehalt. Sie werden nach dem Entwicklungshelfergesetz entsandt und erhalten dementsprechend für ihr soziales Engagement ein Unterhaltsgeld. uch um ihre soziale Absicherung wird sich, meistens seitens der Organisation, gekümmert. Man benötigt für diese Tätigkeit aber trotzdem eine abgeschlossene Berufsausbildung, Berufs- und idealerweise Auslandserfahrung und meist einen Nachweis über sein bisheriges soziales Engagement. Meistens kommen Entwicklungshelfer*innen aus den Bereichen der Landwirtschaft, Medizin, dem Ingenieurwesen sowie auch aus den Sozialwissenschaften oder der Geografie - im Endeffekt sind aber alle akademischen Hintergründe gefragt. Interessant bzw. wissenswert ist ebenfalls, dass Entwicklungshelfer*innen nur von einigen paar anerkannten Organisationen entsandt werden (dürfen), dazu gehören u.a. AGIAMONDO e.V., Brot für die Welt e.V., die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) oder der Weltfriedensdienst e.V..

Der »Arbeitsalltag« sieht bei Entwicklungshelfer*innen sehr unterschiedlich aus und kommt auch auf die Organisation an, von der sie in die Entwicklungsländer geschickt werden. Meistens handelt es sich aber um Projektarbeit, bei der sie die lokale Bevölkerung im direkten Kontakt mit den Menschen vor Ort unterstützen, denn das Ziel der Entwicklungsarbeit folgt immer dem Leitsatz »Hilfe zur Selbsthilfe«. Dabei kann es sich um den Aufbau von Schulen, Bewässerungsanlagen, Kläranlagen für sauberes Wasser und vieles mehr handeln. Oder es geht darum, einheimische Fachkräfte in die Handhabung von Nähmaschinen, Landwirtschafts- und Baumaschinen oder in neue Produktionsverfahren einzuführen. Auch Beratungstätigkeiten und Betreuung von Minderjährigen kann zum Aufgabenspektrum gehören. Kontaktscheu und schüchtern sollte man also nicht unbedingt sein, wenn man sich für diesen »Beruf« entscheidet.

2. Arzt/Ärztin

Ein sehr wichtiger Berufszweig, der in der Entwicklungshilfe zum Tragen kommt, ist die Medizin. In den meisten Entwicklungsländern ist die medizinische Versorgung unzureichend, vor allem außerhalb der großen Städte gibt es meist nur sehr wenig gut ausgebildetes Personal und auch nicht genügend Medikamente, um alle Bewohner*innen adäquat behandeln zu können. Damit dieser Mangel zumindest ein wenig ausgeglichen wird, entsenden viele Hilfsorganisationen Ärzte und Ärztinnen in Entwicklungsländer, damit sie dort Patent*innen behandeln, aber oftmals auch dortiges Personal ausbilden können. Die Wohl bekannteste Organisation in diesem Bereich ist vermutlich Ärzte ohne Grenzen. Besonders Allgemeinmediziner*innen, Gynäkolog*innen, Chirurg*innen und Kindermediziner*innen werden dringend benötigt, aber auch Kardiolog*innen, Anästhesist*innen und Psychiater*innen werden gesucht.

Good to know: Manche Ärzt*innen werden auch als Entwicklungshelfer*innen in ihre Einsatzgebiete entsendet.

3. Krankenschwester/Krankenpfleger

Genauso sieht es auch bei Krankenschwestern und Krankenpflegern aus, die den Ärzt*innen tatkräftig zur Hand gehen und sich fürsorglich um die Patient*innen kümmern. Meistens arbeiten sie auch mit dem einheimischen Personal zusammen, und bilden teilweise auch Einheimische zu Pflegekräften/Assistent*innen aus. Es werden Schwestern und Pfleger aus verschiedenen Bereichen gesucht, vor allem aber im Bereich Geburtshilfe, Kindermedizin und Allgemeinmedizin. Auch OP-Personal oder Röntgen-Assistent*innen (MRTAs) sind begehrte Fachkräfte.

4. Hebammen

Die Kindersterblichkeit ist in vielen Entwicklungsländern sehr hoch, was neben Mangelernährung vor allem auch an der fehlenden Grundversorgung vor, während und nach der Geburt liegt. In Zusammenarbeit mit Krankenschwestern/-pflegern und Ärzt*innen können Hebammen dazu beitragen, dass Neugeborene nicht im Nachhinein an Malaria, Pneumonie oder Durchfallerkrankungen sterben. Auch Komplikation vor oder während der Geburt können mit entsprechend ärztlicher und medizinischer Hilfe besser gestemmt werden, wenn erfahrene Hebammen mit dabei sind. Auch sie können als Entwicklungshelfer*innen entsandt werden.

5. Agraringenieur*in

Agraringenieur*innen sind Expert*innen für die Landwirtschaft und die dazu benötigte Technik. Dabei haben sie ökonomische, politische, produktionstechnische und landschaftliche Aspekte im Blick, weshalb sie für Schwellen- und Entwicklungsländer von großer Bedeutung sind. Je nach Schwerpunkt kümmern sie sich entweder um den landwirtschaftlichen Anbau und die Tierhaltung, indem sie Produktions- und Arbeitsabläufe überprüfen und die Qualität, Effizienz und Wirtschaftlichkeit im Auge behalten. Zudem entwickeln sie Maschinen und Anlagen für Landwirtschaftsbetriebe und beraten Landwirt*innen in Bezug auf deren Handhabung und Einsatzmöglichkeit. Darüber hinaus können Agraringenieur*innen auch in Ministerien oder Organisationen planerische, beratende und/oder administrative Aufgaben wahrnehmen.

6. Techniker*in

Ähnlich wie Agraringenieur*innen sind auch Techniker*innen wertvolle Berater*innen und Mentor*innen, wenn es darum geht, technische Projekte umzusetzen sowie Maschinen und Technologien an die einheimische Bevölkerung weiter zu geben und sie zu befähigen, eigene Projekte zu initiieren. Hier ist das Aufgabenspektrum besonders vielseitig, denn »Technik« bezeichnet hier ein riesiges Feld, das von Abfallentsorgungssystemen über Verkehrsinfrastruktur und Wasserversorgung bis hin zur Energiegewinnung reicht. Auch sie agieren immer nach dem Motto »Hilfe zur Selbsthilfe«, weshalb auch hier ein Großteil der Arbeit aus menschlichem Kontakt besteht. Eine Organisation, die sich auf diesen Bereich spezialisiert hat, ist die NGO Technik ohne Grenzen e.V.. Sie fokussiert sich auf Wasser, Energie, Abfall und Bildung und engagiert sich auf der ganzen Welt.

7. Fundraiser*in

Als Fundraiser*in ist man (meist hier in Deutschland) für die Akquise von Spendengeldern für verschiedene Projekte und Kampagnen zuständig. Um dies zu bewerkstelligen, bedient sich ein*e Fundraiser*in verschiedenster Strategien und Methoden, die viel mit »klassischer« PR-Arbeit gemeinsam haben. Die wichtigsten sind Direktmarketing, Werbe- und Kampagnenarbeit sowie Eventplanung, weswegen viele Fundraiser*innen als Quereinsteiger*innen aus der Marketing- und PR-Branche ins Fundraising einsteigen. Fundraising ist eine wichtige, abwechslungsreiche Arbeit, die dazu beiträgt, dass Entwicklungsprojekte überhaupt gestemmt und durchgeführt werden können. Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, schau gern mal in unser Jobportrait zum Thema Fundraising hinein.

8. Projektmanager*in

Auch Projektmanager*innen finden in der Entwicklungshilfe ihr Plätzchen, denn die verschiedenen sozialen Aktionen und Projekte müssen schließlich auch geplant und umgesetzt werden. Meist haben Projektmanager*innen Referent*innen-Stellen inne und sind in der Regelbefristet für ein bestimmtes Projekt, oder - wenn auch weitaus seltener - unbefristet für jeweils verschiedene Projekte bei Organisationen und Verbänden eingestellt. Wie das Aufgabenspektrum letztendlich genau aussieht, hängt natürlich von dem Projekt und der Organisation/dem Verein ab, bei dem sie beschäftigt sind. Im Großen und Ganzen halten die Projektmanager*innen aber alle Fäden zusammen und stellen sicher, dass der zeitliche und finanzielle Rahmen der Projekte eingehalten wird, die Kommunikation zwischen allen Beteiligten funktioniert und die gesetzten Ziele erreicht werden. Dabei geht z.B. auch um das Management von Personen und Materialien sowie von Geldern, das Einhalten gesetzlicher Vorgaben und das Überwachen logistischer Abläufe. Wer hier also bereits Erfahrung aus der Wirtschaft mitbringt, hat sicherlich Vorteile. Der Einsatzort für Projektmanager*innen kann entweder vor Ort oder in Deutschland sein.

9. Verwaltungsexpert*in

Eine Hilfsorganisation ist vor allem eins: ein großer Apparat, den es erst einmal zu verwalten gilt. Dafür sind Verwaltungsexpert*innen zuständig, die sich um die täglichen administrativen Belange kümmern. Diese können von Buchhaltung über Personalmanagement bis hin zum Büromanagement reichen. Dies bedeutet, dass hier Menschen mit verschiedenen Hintergründen (z.B. aus den Bereichen Public Management, Controlling oder Human Ressources) fündig werden und dafür sorgen, dass die Hilfsorganisation reibungslos operieren kann.

10. Geograf*in

Auch Geograf*innen können eine Anstellung in der Entwicklungshilfe finden, sei es als Entwicklungshelfer*in, als Berater*in oder als Projektmanager*in bzw. Referent*innen für bestimmte Fachgebiete. Vor allem die Schwerpunkte Humangeographie, Stadtplanung oder Umwelt und Gesellschaft können nützliche Schwerpunkte sein, die in der Entwicklungshilfe zum Tragen kommen können. Auch Fächerkombinationen mit Studiengängen wie z.B. Agrarwissenschaften, Soziologie, Afrikanistik oder VWL können für den den Einstieg in die EZ vorteilhaft sein.

Fazit

Wie du siehst, gibt es also eine Vielzahl an Möglichkeiten, in der EZ Fuß zu fassen - sei es mit direkter Hilfe vor Ort in den Entwicklungs- und Schwellenländern, oder aber »im Hintergrund« von Deutschland aus. Auch das Tätigkeitsspektrum ist sehr abwechslungsreich, weswegen auch hier für jede*n etwas dabei sein sollte.

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