Social Entrepreneurship

So finanzierst du dein Social Startup: Wettbewerbe, Darlehen, Crowdfunding und co.

Gute und sinnvolle Geschäftsideen sollen am Geld nicht scheitern! Daher gibt es für soziale und nachhaltige Startups eine Fülle an Finanzierungsmöglichkeiten. Wir zeigen dir verschiedene Optionen, damit du dich ohne Geldsorgen ganz auf den Impact deines Startups konzentrieren kannst.

Steuern sparen durch Gemeinnützigkeit

Gerade bei der Gründung eines Social Startups ist es sinnvoll, eine Rechtsform zu wählen, bei der eine Gemeinnützigkeit anerkannt werden kann. Hier kommt z.B. ein Verein in Frage, aber auch eine GmbH, UG oder sogar AG (sprich Kapitalgesellschaften) können gemeinnützig sein. Informiere dich am besten bei deinem*deiner Steuerberater*in, wie du die Gemeinnützigkeit beantragen kannst. Wenn dein Startup offiziell gemeinnützig ist, wird es steuerlich begünstigt. Außerdem können Spenden an das Unternehmen steuerlich abgesetzt werden. Im Gegenzug muss es seine geschäftlichen Aktivitäten an einen bestimmten Zweck binden, z.B. dem Umweltschutz, Bildungsgerechtigkeit oder kulturelle Vielfalt und die Verwendung der Gewinne ist ebenfalls strengen Regeln unterworfen. Mehr Informationen darüber, ob Gemeinnützigkeit für dein Social Business in Frage kommt, kannst du im Paragraph 52 der Abgabenordnung finden.

goldener Pokal

Wettbewerbe und Preise

Wenn dein Social Business noch in den Kinderschuhen steckt, kann eine Teilnahme an Ideenwettbewerben sinnvoll sein. Die Gewinner*innen profitieren nämlich oft neben der Finanzspritze noch von einer beratenden Begleitung durch erfahrene Expert*innen.

Ein Beispiel ist der Wettbewerb yooweedoo in Schleswig-Holstein. Bewerben können sich Teams (keine Einzelpersonen), die Projekte in den Bereichen nachhaltige Entwicklung, Lösung gesellschaftlicher Probleme und gesellschaftlicher Nutzen (Umwelt, Gesellschaft, Kultur, Konsum) durchführen möchten. Der Bearbeitungszeitraum des Projektes sollte mindestens sechs Monate betragen. Zu Gewinnen gibt es pro Team bis zu 2.000 Euro sowie die Teilnahme an einem Summer Camp, Workshops und Beratung.

Generation D richtet sich speziell an Studierende und Young Professionals. Gefördert werden Startups, die sich mit den Themen Bildung, Klima, Gesundheit oder soziale Gesellschaft beschäftigen. Nach erfolgreichem Durchlauf des vierstufigen Bewerbungsverfahrens winken Preisgelder, die sich zwischen 1.500 und 7.500 Euro pro Projekt bewegen. Insgesamt werden 15.000 Euro vergeben. Zusätzlich erhalten die Gewinner*innen Coachings, Hilfe beim Aufbau einer größeren Sichtbarkeit und Zugang zum Netzwerk der Organisation.

Wenn in deinem Projekt (auch) ehrenamtliche Mitarbeiter*innen zum Einsatz kommen, kann der Wettbewerb Startsocial interessant sein. Die Zielgruppe sind Einzelpersonen, Teams, Organisationen, Verbände oder andere Einrichtungen, die soziale Probleme mit Hilfe von Ehrenamtlichen lösen. Hierbei genügt es, wenn nur ein Teil des Teams aus Ehrenamtlichen besteht. Der Sitz des Projektes muss in Deutschland sein. Ob du noch ganz am Anfang in der Ideenfindung steckst oder bereits einen detaillierten Plan hast, spielt keine Rolle. Das Projekt kann Bereiche wie Migration, soziale Gerechtigkeit, Gesundheit, Teilhabe, Kriminalität, Rettungsdienst, Tod oder Alter adressieren. Zu Gewinnen gibt es eine viermonatige Beratung durch Expert*innen. Zusätzlich werden unter den sieben besten Projekten Geldpreise im Wert von insgesamt 35.000 Euro vergeben.

Dein Startup beschäftigt sich mit den Themen Müllprävention, Recycling oder digitale Lösungen? Der Green Alley Award honoriert das beste Unternehmen in diesen Bereichen mit 25.000 Euro. Die Voraussetzungen? Der Standort muss sich in Europa befinden und das Unternehmen darf nicht älter als fünf Jahre sein.

zwei Handflächen, die zu einer Schale geformt sind und Geldscheine beinhalten

Finanzierungsmodelle und Darlehen

Auch Banken und andere Institutionen helfen angehenden Sozialunternehmer*innen bei der Finanzierung ihrer Vision.

So werden beispielsweise mit dem Digitalisierungs- und Innovations­kredit der KfW Betriebsmittel und Investitionen von Digitalisierungs- und Innovationsprojekten gefördert. Das Angebot richtet sich nicht nur an Startups in der Gründungsphase, sondern auch an innovative Unternehmen, Mittelständler und Freiberufler*innen. Die Kredite betragen zwischen 25.000 und 7,5 Millionen Euro.

BonVenture bietet sozialen Startups mit einem Kapitalbedarf ab 500.000 Euro eine Finanzierung an. Die Bedingungen: Es handelt sich um eine Innovation mit einem nachweisbaren sozialen Impact. Das Geschäftsmodell muss außerdem skalierbar sein, wobei auch überregionales Wachstum angestrebt werden sollte. Darüber hinaus soll das Unternehmen bereits erste Umsätze am Markt nachweisen können. Zusätzlich zur Finanzierung erhältst du eine Wirkungsmessung, eine Beratung bezüglich Finanzen und Geschäftsentwicklung sowie Kontakte zu Expert*innen.

Die Finanzierungsagentur für Social Entrepreneuship berät Sozialunternehmer*innen und bringt diese mit Investor*innen zusammen. Diese Möglichkeit kommt in Frage, wenn du ein klares und skalierbares Geschäftsmodell zur Lösung eines sozialen oder ökologischen Problems mit messbarem Impact hast. Der Finanzierungsbedarf sollte zwischen 200.000 und 3 Millionen Euro liegen. Dein Unternehmen sollte außerdem bereits Einkünfte (z.B. durch Produkte, Dienstleistungen oder Mitgliedsbeiträge) generieren und seinen Sitz innerhalb der EU haben.

Mit dem Green Impact Finance Programm werden Geschäftsmodelle im deutschsprachigen Raum unterstützt, die einen positiven Impact auf Umwelt oder Gesellschaft mithilfe neuer Technologien erzielen. Die Finanzierung ist ab einem Bedarf von 500.000 Euro möglich und wird durch Coachings bzgl. des Finanzierungsprozesses sowie durch eine begleitende Beratung ergänzt.

Bei bettervest kannst du dein nachhaltiges Projekt durch ein Darlehen ab einem Bedarf von 100.000 Euro finanzieren. Es muss sich hierbei um ein Projekt handeln, das zur Reduktion von klimaschädlichen Emissionen oder zur Reduktion des Verbrauchs natürlicher Ressourcen dient. Die Amortisationszeit beträgt zwischen zwischen einem Jahr und zehn Jahren. Dein Firmensitz kann in Deutschland, Österreich, Bulgarien, Singapur, Kenia, Nigeria, Senegal sein. Das Unternehmen sollte bereits drei leitende Angestellt haben und mindestens drei Jahre bestehen.

Ananda Impact Ventures unterstützt Entrepreneure, die ein Unternehmen mit Impact aufbauen wollen. Dein Startup im Anfangsstadium kann sich auf die Lösung eines sozialen oder ökologischen Problems in Bereichen wie Gesundheit, Bildung, Inklusion, alternde Gesellschaft, Langzeitarbeitslosigkeit, zukunftsfähiges Arbeiten und nachhaltiger Konsum beziehen. Das Angebot richtet sich an Unternehmen mit messbarem Impact, skalierbarem Geschäftsmodell und stabiler finanzieller Lage. Darüber hinaus sollte dein Geschäftsmodell eines der besten der Branche sein und durch ein effizientes Team getragen werden. Der Sitz sollte in Europa (mit dem Fokus auf Deutschland, Österreich, Schweiz und dem Vereinigten Königreich) liegen. Die Investitionsgröße beträgt anfangs 500.000 bis 2 Millionen Euro und kann je nach Wachstum auf bis zu 7 Millionen Euro erweitert werden. On top profitiert deine Organisation von einem Beratungsangebot und Zugang zum Netzwerk.

Crowdfunding

Nutze die Kraft der Gemeinschaft für deine Vision! Durch zahlreiche Crowdfunding-Plattformen kannst du Menschen für dein Unternehmen begeistern und Unterstützer*innen gewinnen:

Eine dieser Möglichkeiten ist Startnext, die erste deutsche Crowdfunding Community: Beschreibe deine Idee in mittels Video und Text, definiere dein Fundingziel sowie die Laufzeit und entscheide, welche Belohnungen deine Unterstützer*innen erhalten sollen. Die Unterstützung funktioniert nach dem Alles-oder-nichts-Prinzip: Nur dann, wenn das Fundingziel vollständig erreicht wird, kommt die Finanzierung zustande. Wird die angestrebte Summe nicht erreicht, erhalten alle Unterstützer*innen ihr Geld zurück und du schuldest ihnen im Gegenzug auch keine Belohnung.

Betterplace richtet sich ausschließlich an gemeinnützige Organisationen. Hier kannst du Spenden sammeln, um die generelle Tätigkeit deiner Organisation oder auch aktuelle Projekte und Kampagnen zu finanzieren. Eine konkrete Laufzeit muss nicht angegeben werden. Deine Spender*innen erhalten automatisch eine Spendenquittung. Die Registrierung auf der Plattform ist kostenlos, allerdings werden bis zu 2,5 Prozent der Spenden zur Deckung der Transaktionskosten einbehalten.

Ist dein soziales Projekt in der Kreativbranche angesiedelt, können kickstarter und indiegogo interessant für dich sein. Beide Plattformen ermöglichen das Crowdfunding kreativer Projekte in den Bereichen Kunst, Comics,Tanz, Design, Mode, Film, Essen und Trinken, Spiele, Musik, Fotografie, Publishing, Technologie, Theater oder Journalismus. Bei indiegogo gibt es Extra-Kategorien für technische Innovationen und soziale Projekte.

Eine weitere Crowdfunding-Plattform für angehende Socialpreneure ist EcoCrowd: Hier tummeln sich potenzielle Unterstützer*innen für Projekte in Bereichen wie Gesundheit, Umwelt, Klima, Tierschutz, Kultur und Reduktion des Energie- und Ressourcenverbrauchs. Bei diesem Modell garantierst du deinen Unterstützer*innen bestimmte Belohnungen oder Tauschgüter. Das bedeutet, du commitest dich auf einen Tausch von Geld gegen Belohnung, auch dann, wenn das festgelegte Fundingziel nicht komplett erreicht wird.

Auf Oneplanetcrowd werden Darlehen für Unternehmen vergeben, die seit mindestens drei Jahren bestehen. Diese Art der Finanzierung wird durch eine Community an Investor*innen ermöglicht, die gezielt nachhaltige Projekte fördern wollen. Die Voraussetzungen sind ein monatlich positiver Cashflow, das Vorhandensein von Wertpapieren sowie ein Finanzierungsbedarf zwischen 100.000 und 10 Millionen Euro. Als Benefit on top wirst du bzgl. Finanzierung und Marketing beraten. Das Darlehen wird mit vier bis acht Prozent verzinst und die Laufzeit beträgt zwischen einem Jahr und 10 Jahren.

Auch die GLS Crowd unterstützt junge Unternehmen mit Impact und Sitz in Deutschland. Förderbare Branchen können beispielsweise erneuerbare Energien, Ernährung, nachhaltige Wirtschaft, Wohnen, Kultur, Bildung, Gesundheit oder Soziales sein. Das Unternehmen sollte die Gründungsphase bereits hinter sich gelassen haben und ein überzeugendes Geschäftsmodell aufweisen.

Gründung einer Genossenschaft - das solidarische Bollwerk

Eine interessante Option ist auch die Gründung einer Genossenschaft. Das Konzept kennst du höchstens von bestimmten Banken oder vielleicht noch im Zusammenhang mit Wohnungsbaugenossenschaften? Stimmt, aber mit einer Genossenschaft lassen sich im Prinzip auch verschiedenste andere Projekte gemeinsam mit vielen Menschen finanzieren, die man alleine niemals stemmen könnte. Ein bisschen wie »Crowdfunding«, nur krasser. Warum? Bei einer Genossenschaft sind die Kund*innen nicht einfach nur Käufer*innen deines Produktes, sondern können darüber hinaus durch den Kauf eines Genossenschaftsanteils (der auch für Privatmenschen absolut erschwinglich ist) Miteigentümer*innen und Finanzierer*innen des Unternehmens werden.

Es handelt sich hierbei um die wohl demokratischste aller unternehmerischen Rechtsformen, denn alle Genossenschaftsmitglieder haben - unabhängig von der Anzahl ihrer Anteile - das gleiche Stimmrecht und können das Unternehmen somit aktiv mitgestalten. Weiterer Vorteil: Die Genossenschaft kann ihre Mitglieder in Form einer jährlichen Dividendenauszahlung am Gewinn beteiligen. Durch die rechtlichen verankerten Grundprinzipien Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung bleiben Genossenschaften unabhängig von externen Investor*innen und Konzernen, da sie nicht aufgekauft oder geschluckt werden können. Der Gründungsprozess ist bürokratisch vergleichweise aufwendig, dennoch vereint dieses bereits sehr alte Konzept sehr viele Aspekte von dem, was wir heute unter einer nachhaltigen und solidarischen Wirtschaftsweise verstehen und ist daher für Socialpreneurs hochinteressant.

Wir hoffen, du konntest nun das passende Finanzierungsmodell für dein Social Business finden! Weitere Informationen für angehende Sozialunternehmer*innen gibt es auf der Webseite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

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