Social Entrepreneurship

Wie du mit deinen Versicherungen ganz nebenbei nachhaltige Projekte förderst: »Ziel von Good24 ist es, die Macht zu verdeutlichen, die mit den alltäglichen Kaufentscheidungen verbunden ist.«

»Gut versichert« im wahrsten Sinne des Wortes: Dieses Sozialunternehmen hilft dir dabei, mit deinen Versicherungen Geld für gute Zwecke zu spenden - und zwar ohne dass sich deine Ausgaben erhöhen. Wie das genau funktioniert und welche Vision dahinter steckt, hat uns Dirk Lenz, einer der Gründer von Good24, im Interview erzählt.

Was unterscheidet euch von herkömmlichen Versicherungsmaklern? Welche Rolle spielt dabei eure goodCents Community?

Dirk Lenz: Wir hoffen, es unterscheidet uns ziemlich viel. Zunächst sind wir kein Versicherungsmakler, sondern ein Sozialunternehmen mit einem Versicherungsmakler als Tochtergesellschaft. Das erste Ziel von Good24 ist es, jeder*jedem Verbraucher*in die Macht zu verdeutlichen, die mit den alltäglichen Kaufentscheidungen verbunden ist. Die Macht zu bestimmen, wofür entstehende Gewinne am Ende verwendet werden. Shareholder Value oder Purpose und Impact.

Dann unterscheidet uns aber ganz sicher auch der Anspruch, den wir an unsere Arbeit als Makler legen. Beratungen und Transparenz müssen sich klar vom Markt abheben und am Ende sind wir der Interessensvertreter unserer Klienten*innen gegenüber den Versicherungsgesellschaften und die Aufgabe erfüllen wir mit größter Expertise und Leidenschaft.

Die goodCents sind ein Mittel der Demokratisierung unserer Wirkung und gleichzeitig der Schlüssel, unsere Mission auch anderen Dienstleistern zugänglich zu machen (Stichwort: Social Franchise) Jede*r Kunde*in entscheidet für den kleinen, erlaubten Teil der Provision selber, wo sie*er wirken möchte und andere Dienstleister können auf dieselbe Story einzahlen, indem sie Teile der Gewinne in goodCents umwandeln.

Als Nutzer*in kann ich nicht nur neue Versicherungen über euch abschließen, sondern auch mit wenigen Klicks meine bereits bestehenden Versicherungen zu euch übertragen. Wie funktioniert das hinter den Kulissen genau? Klappt das mit jeder Versicherung? Und was ändert sich dadurch an meiner Versicherung?

Dirk: Unser Prinzip ist: Einfach Gutes tun.

Genau deswegen machen wir es so simpel wie möglich, nachhaltigen Wandel zu unterstützen. Das Einfachste ist dabei, einen schon bestehenden Vertrag bei uns einzuchecken. Man kann aber auch über einen Vergleichsrechner neue Versicherungen über uns finden.

Step 1 ist immer einen Account anlegen, im Login-Bereich hat man dann alle weiteren Möglichkeiten. Sobald du einen bestehenden Vertrag bei uns registriert hast, übernehmen wir die Betreuung deines Vertrages und erhalten dafür von deiner Versicherung eine Provision. Der Clou: In deinen bisherigen Verträgen stecken diese Provisionen bereits drin, der Vertrag wird also dadurch nicht teurer für dich. Das Übertragen läuft im Hintergrund automatisch ab, du musst also nichts weiter machen.

Das Übertragen funktioniert mit jeder Versicherung. Es gibt nur ein paar Versicherungsgesellschaften, die die Betreuungsprovisionen nicht an Makler auszahlen. Diese sind dabei nicht zwingend günstiger. Wenn das auf deinen Vertrag zutreffen sollte, wirst du von uns darüber informiert. In diesem Fall kann leider keine Spende für deinen Vertrag generiert werden, wir bieten dir aber jederzeit gerne eine Alternative an.

Inwieweit spielen bei neuen Versicherungen, die über euch abgeschlossen werden können, Neutralität und Transparenz eine Rolle? Habt ihr feste Kooperationsverträge mit bestimmten Versicherungsunternehmen? Anhand welcher Kriterien werden diese ausgewählt?

Dirk: Grundsätzlich möchte ich nochmal betonen, dass unser Fokus darauf liegt, bestehende Verträge bei uns einzuchecken, weil wir denken, dass so jede*r mit dem, was man sowieso schon bezahlt, nachhaltigen Wandel unterstützen kann.

Natürlich kennen wir uns mit über 30 Jahren Erfahrung in der Welt der Versicherungen aus und freuen uns, wenn wir bei Versicherungsbedarf helfen können. Wir sind als Versicherungsmakler zu Neutralität verpflichtet und als Kund*in kannst du bei uns aus (fast) allen Anbietern am Markt wählen. Hier fallen wieder die wenigen Gesellschaften raus, die nicht mit freien Versicherungsmakler*innen zusammenarbeiten. Wir bieten unseren Kund*innen im Login-Bereich einen Vergleichsrechner an, ähnlich wie man es z.B. von Check24 kennt, stehen aber auch jederzeit über einen Klick für einen persönlichen Video-Call zur Verfügung. Bei der Beratung fahren wir klar eine »No-Bullshit« Strategie. Wir erleben es immer wieder, dass Kund*innen über- oder auch falsch versichert sind.

Es ist uns wichtig, ganz nach dem Ansatz #finanziellebildung, die Menschen darüber aufzuklären, was sie (nicht) brauchen. Dazu geben wir z.B. auch Workshops in Entrepreur- und Changemaker-Netzwerken wie z.B. Ashoka, oder On-Purpose.

In unserem Good24 Login-Bereich findet man alle seine bestehenden Versicherungsverträge, kann jederzeit eine Optimierung anfragen oder einen Schaden melden.

Zusätzlich arbeiten wir aktuell mit nachhaltigen Versicherungsgesellschaften an eigenen Tarifen. Wenn das fertig gestellt ist, können wir unseren Kund*innen ein nachhaltiges und leistungsstarkes Produkt anbieten. Hierbei verfolgen wir zwei Kriterien: Sicherheit bzw. Leistungsumfang und Nachhaltigkeit bzw. Digitalität des Produktes. Ein Tarif kann sowohl im Bereich der Leistung nachhaltige Kriterien erfüllen, z.B. werden (teurere) nachhaltige Materialien bei der Schadensbeseitigung erstattet oder auch allein durch die Vermeidung von Papier und Brieftransport nachhaltig wirken. Unsere Good24-Tarife werden beides leisten.

Wie seid ihr auf die Idee von Good24 gekommen? Wie sah euer (Berufs)leben vorher aus - hattet ihr schon immer mit Versicherungen zu tun?

Dirk: Ich habe etwa 30 Jahre als Versicherungsmakler gearbeitet, die Idee eines sozialen Versicherungsmaklers kam mir dabei bereits vor ca. 15 Jahren, ließ sich aber damals noch nicht richtig umsetzen. Durch die Ermutigung der Sozialunternehmerin Christine Bleks hat Good24 dann 2020 langsam Gestalt angenommen und sieht sich heute als Finanzierungsinstrument für Sozialunternehmen und nachhaltigen Wandel. Eine große Hilfe war dabei das Accelerator-Programm der Impact Factory in Duisburg, an dem ich mit meinem Gründungspartner Christian teilgenommen und dort auch Jens, den dritten Gründer kennengelernt habe. Jens ist selbst Sozialunternehmer und wenn man es so sagen darf, hatte er bisher überhaupt keinen Plan von Versicherungen. Er ist als dritter Gründer für den Bereich »Impact und Partnerships« zuständig und sieht in Good24 die Chance, das Problem der Finanzierung von Social Businesses zu lösen.

Wie und anhand welcher Kriterien wählt ihr die Initiativen und Projekte aus, die durch die Provisionen gefördert werden? Kann ich als Kund*in auch selbst eine Initiative vorschlagen, die ich gerne unterstützen möchte und die sich noch nicht in eurem Pool befindet?

Dirk: Wir fördern soziale Initiativen, die durch innovative Ansätze gesellschaftliche und ökologische Herausforderungen lösen.

Am liebsten wären wir schon so groß, dass wir jedes nachhaltige Projekt fördern könnten. 😊 Bis dahin ist es aber noch ein kleiner Weg und deswegen fokussieren wir uns auf unserer goodCents-Plattform aktuell auf bereits etablierte Projekte, die schon eine gewisse Wirkung erzielen. Hier kann man z.B. zwischen Viva con Agua, Ashoka oder ForTomorrow wählen.

Wir arbeiten aber auch bereits mit weiteren Initiativen zusammen, um gemeinsame Fundraising-Maßnahmen auszuarbeiten. Good24 verfolgt dabei einen Ökosystem-Ansatz und versteht sich als neues Finanzierungsinstrument, welches in vorhandene Communities und Partnernetzwerke eingebettet werden kann. Hier ist das Prinzip simpel: Eine Initiative teilt eine Good24 Kooperations-Landingpage in ihrem Netzwerk und alle Verträge, die darüber bei Good24 eingecheckt werden, bringen eine jährliche Spende für die Initiative. Hier haben wir z.B. bereits dein Nachbar e.V. oder oclean als Partner. Wir freuen uns immer über Vorschläge aus der Community für Förderprojekte oder Kooperationen!

Taschenrechner, daneben ein Zettel mit Kalkulationen und einem Stift

Wie viel Prozent der Provision gehen an diese sozialen Initiativen? Und wie finanziert ihr euer Unternehmen, wenn ihr doch einen bestimmten Teil der Provisionen abgebt?

Dirk: Good24 setzt 100% der Gewinne aus den Provisionen für die Förderung von nachhaltigen Projekten ein. Das ist immer ein Satz, der viel Gegenwind bringt, weil nicht auf den ersten Blick klar ist, was Gewinn bedeutet. Man muss dabei verstehen, dass Gewinn all das ist, was nach den bezahlten Kosten übrig bleibt. In unserem Fall sind das Technologie- und Serviceleistungen, darunter fallen auch Gehälter. Wir haben ein gemeinnütziges Dach, dementsprechend sind keine privaten Gewinnentnahmen möglich und wir gestalten unsere Prozesse bewusst schlank, um so Kosten zu reduzieren, damit mehr Gewinn für Impact übrig bleibt.

Die Frage nach der prozentualen Gewinnquote ist gerade im ersten Geschäftsjahr schwierig zu beantworten und im zweiten und dritten Geschäftsjahr auch sicher noch nicht final. Aber sicher ist auch, ein Versicherungsmaklerunternehmen hat keine Produktionskosten und keinen Wareneinkauf und somit führt eine größer werdende Zahl von Kund*innen nicht automatisch zu größeren Kosten. Damit soll ausgedrückt werden, je größer die Zahl unserer Kund*innen wird, desto besser wird die Gewinnquote.

Die goodCents bilden dabei nur einen kleinen Teil der Förderung und sind der Betrag, den wir von Gesetzes wegen direkt an unsere Kund*innen weitergeben dürfen. Bei Mitbewerber*innen gibt es schon mal Einkaufsgutscheine, bei uns goodCents, die gespendet werden können. Der weitaus größere Teil wird, kuratiert durch Good24, wie oben beschrieben, als Förderung ausgeschüttet.

Wohin soll sich Good24 in den nächsten Jahren entwickeln und wie sehen die nächsten Schritte dorthin aus?

Dirk: Unsere Mission ist es, dass in fünf Jahren Versicherungen zunehmend nachhaltig werden und ein Teil der Provisionen auch von anderen Unternehmen sinnstiftend eingesetzt werden.

Hierfür möchten wir neue Wege aufzeigen und planen, eine Art soziales Franchising zu etablieren. So können auch andere Makler die Möglichkeit nutzen, ebenfalls Teile ihrer Gewinne zu goodCents zu machen.

Daneben wollen wir Ende 2025 unser Ziel von 35.000 Kunden*innen und ca. 2 bis 3 Millionen Euro an Förderung erreichen.

Was war eure bisher größte Herausforderung als Sozialunternehmer*innen und worauf seid ihr besonders stolz?

Dirk: Unsere größte Herausforderung ist die Glaubwürdigkeit, denn das Thema Versicherung hat in Deutschland keinen guten Ruf. Wir müssen stärker als jedes klassische Unternehmen beweisen, dass wir ehrlich, vertrauenswürdig und kompetent sind.

Wir sind umso stolzer auf unsere ersten Partnerschaften mit Sozialunternehmen, die die gleichen Werte wie wir teilen. Dazu zählen bereits Viva con Agua, Ashoka, Frischepost oder auch Knärzje, die uns gerade in der frühen Phase sehr helfen.

Dirk Lenz, Gründer von good24

Über Dirk und Good24:

Nach 30 Jahren Erfahrung in der Versicherungsbranche, konnte Dirk die lang gehegte Idee eines sozialen Versicherungsmaklers gemeinsam mit seinen Mitgründern Christian Will und Jens Konrad endlich umsetzen: Mit Good24 gründete das Trio Deutschlands ersten nachhaltigen und dabei digitalen Versicherungsmakler. Das Social Business nutzt die Provisionen aus bereits bestehenden oder neuen Versicherungsverträgen, um wirkungsvolle Projekte zu fördern, denn: Mit den jährlich fließenden Milliarden-Provisionen der Versicherungswirtschaft kann positiver Wandel Wirklichkeit werden – ohne eigenen, zusätzlichen finanziellen Aufwand.

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