Berufsorientierung

Mehr als Kaffeekochen: Mit welchen Strategien dich Praktikum, Werkstudententätigkeit und Nebenjob wirklich weiterbringen

Egal ob in der Schule oder während des Studiums - Praktika gehören zur Ausbildung dazu. Auch Werkstudententätigkeiten und andere Nebenjobs sind wichtige und sinnvolle Möglichkeiten, die Arbeitswelt zu erkunden und erste praktische Kenntnisse zu erwerben. Prinzipiell gibt es als Praktikant*in oder Hilfskraft wesentlich mehr zu lernen als Kaffeekochen oder andere Formen der Lebenszeitverschwendung. Damit du den Wert dieser Tätigkeiten so richtig ausnutzen und das meiste aus deinen Nebentätigkeiten rausholen kannst, haben wir ein paar Tipps für dich, wie du die Sache am besten angehen kannst.

Kaffee kochen, Unterlagen kopieren oder Protokolle erstellen: Für viele Praktikant*innen sieht so meist der Arbeitsalltag in vielen Betrieben oder Firmen aus. Auch eine Werkstudententätigkeit kann in vielen Fällen (vor allem mit wenig Vorerfahrung) sehr eintönige bzw. aushilfsmäßige Arbeiten beinhalten. Für Firmen, Betriebe oder Organisationen sind Praktikant*innen und »Studis« schließlich günstige Arbeitskräfte, um lästige und nebensächliche Tätigkeiten erledigen zu lassen - berufliche Karriereleitern kann man so allerdings kaum erklimmen.

Deshalb ist es wichtig, dass du bereits während der Suche nach solchen Tätigkeiten darauf achtest, welche Aufgaben in den Stellenausschreibungen angegeben werden und beim beim Vorstellungsgespräch am besten noch einmal genau nachhakst. Hast du bisher kaum berufliche Erfahrung sammeln können, sind eher wenig anspruchsvolle Praktika oder Aushilfsjob, wie sie oben beschrieben wurden, natürlich durchaus geeignet, den berühmten Fuß in die Tür zu setzen - dabei sollte es aber nicht lange bleiben, wenn du wirklich handfeste berufliche Erfahrungen sammeln möchtest - und diese sind gerade bei generalistischen Berufsausbildungen bzw. Studiengängen wie z.B. in den Medien, der Wirtschaft oder den Sozialwissenschaften sehr wichtig. Aber auch jede*r andere Studierende kann nur von praxisnahen Tätigkeiten profitieren, da sie einem helfen, aus der Masse der Absolvent*innen herauszustechen oder anschließend sogar in einer Übernahme enden können, falls du gute Arbeit leistest.

Hast du allerdings schon ein wenig Erfahrung gesammelt oder möchtest dich einfach mal auf gut Glück auf Stellen bewerben, bei denen du mehr als nur Kaffee kochen möchtest, solltest du die Gelegenheit nutzen und dir aktiv Werkstudententätigkeiten oder Praktika suchen, die dich fachlich und persönlich fördern und forden. Gerade studentische Aushilfsstellen sind dafür geeignet, da man dort für mindestens 6 Monate, meist aber viel länger in einem Unternehmen oder einer Organisation arbeiten kann.

Daher lautet der erste Tipp:

Je länger die Tätigkeit, desto besser

Die Wahrscheinlichkeit, eher wenig anspruchsvolle Arbeitsaufgaben erfüllen zu müssen, sinkt mit jeden Tag mehr, den man länger im Unternehmen oder bei einer Organisation verbringt. Natürlich kommt man ab und an nicht drum herum, Routine-Aufgaben zu erledigen, aber das ist im Grunde genommen ja auch nicht so schlimm. Je nach Länge des Praktikums kann das in Relation mit verantwortungsvollen und spannenden Aufgaben aber nebensächlich sein und darauf kommt es an.

Dies liegt vor allem daran, dass eine Einarbeitung in schwierigere Aufgaben, gemessen an deiner Zeit dort, einen viel zu hohen Aufwand darstellen würde. Bleibst du allerdings länger dort (also z.B. 6 Monate), kann sich eine Einarbeitung durchaus rentieren, vor allem, wenn du schon ein wenig Vorerfahrung mitbringst (egal ob aus dem Studium oder einem vorherigen Job). Deshalb gibt es in vielen Studiengängen auch von vornherein ein integriertes Praxissemester, welches den Studierenden tiefere Einblicke in die Arbeitswelt ermöglichen soll. Bei einem längeren Aufenthalt im Unternehmen besteht sogar die Chance, dass du ein eigenes Projekt bekommst, welches du weitgehend selbstständig bearbeiten und gestalten kannst und an dem du deine fachlichen Kenntnisse praktisch erproben und erweitern kannst.

Eine längere Praktikums- und Aushilfsstelle ermöglicht es dir zudem, in mehrere Bereiche hineinzuschnuppern und und verschiedene Tätigkeiten auszuprobieren. Gerade in größeren Unternehmen hast du eventuell sogar die Chance, in verschiedenen Abteilungen oder Projektteams zu arbeiten.

Sei proaktiv

Falls du trotz eines längeren Zeitraums hauptsächlich monotone Aushilfsarbeiten erledigen musst oder die meiste Zeit am Kopierer ode der Kaffeemaschine stehst, ist das trotzdem kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken und stumpf deine Arbeiten zu erledigen. Wie bei fast allem ist es auch hier wichtig, dass du proaktiv an die Sache herangehst. Hast du eine Aufgaben guten Gewissens erledigt, frage deine Kolleg*innen aktiv, ob sie andere Aufgaben für dich haben, oder eventuell, ob du auch mal in andere Bereiche reinschnuppern darfst. Vielleicht hast du sogar eigene Ideen für kleine Projekte oder siehst an bestimmten Stellen Verbesserungspotential? Dann biete deine Hilfe an (natürlich mit Fingerspitzengefühl!). Ein*e Kolleg*in verwendet eine bestimmte Software, die auch für dich interessant wäre? Frag nach, ob du eine kleine Einführung bekommst. Dein Arbeitgeber plant gerade ein Event? Schlage vor, dass du bei der Öffentlichkeitsarbeit unterstützt. Mit einer proaktiven Haltung fällst du positiv auf und zeigst, dass man dir guten Gewissens auch verantwortungsvolle Aufgaben zutrauen kann.

Sei neugierig und stell viele Fragen

Ein weiterer wichtiger Punkt, das meiste aus seinem Praktikum oder anderen Hilfstätigkeiten herauszuholen, ist das Fragenstellen. Auch wenn es am Anfang eventuell unangenehm erscheint, ist es durchaus vorteilhaft, deine Kolleg*innen ein wenig zu löchern. Natürlich sollte dies nicht nur um des Fragens willen geschehen, sondern durchaus auch legitim und begründet sein. Gerade am Anfang kann es vorkommen, dass du einige Sachen noch nicht so gut beherrschst, oder dir bei machen Sachen unsicher bist, welche Entscheidung die bessere wäre. In diesem Fall ist es immer ratsam, eine*n nette*n Kolleg*in zu fragen, bevor man nachher einen Fehler begeht, der ganz einfach hätte vermieden werden können.

Neugierigkeit meint hier ein aufrichtiges Interesse an den Prozessen und verschiedenen Aufgabenbereichen der Firma oder der Organisation, bei der du arbeitest.

So kannst du neben expliziten Wissensfragen auch immer zusätzliche, kontextual passende Fragen stellen, die über den Sachverhalt hinaus gehen. Damit zeigst du zum einen Interesse, aber vor allem auch, dass du über den Tellerrand hinaus blicken und die Fähigkeit zum Querdenken hast. Diese Fähigkeit wird von vielen Arbeitgebern geschätzt und gehört zu den wichtigsten Soft Skills für Arbeitnehmer*innen.

Außerdem kommst du so auch eher in Kontakt mit anderen und kannst dir so vielleicht auch die ein oder andere neue Aufgabe sichern.

Frag nach Feedback

Auch ein wichtiger Aspekt ist das aktive Einholen von Feedback. Durch konstruktive Kritik oder Lob von Vorgesetzten und/oder Kolleg*innen kannst du enorme Lernsprünge machen. Hier ist es aber wichtig, dass du dieses Feedback nicht nur am Ende deiner Tätigkeit bekommst, sondern auch zwischendurch einmal nachfragst, wie du dich schlägst und welche Verbesserungsvorschläge sie dir geben können. Arbeitest du z.B. in einer projektbasierten Umgebung, können Projektabschlüsse super Gelegenheiten sein, nach solch einem Feedback zu fragen. Auch wenn du vielleicht nicht immer von Lob überschüttet wirst, können dir diese Rückmeldungen wichtige Indizien liefern, voran du noch mehr arbeiten könntest oder wo deine Stärken liegen. Dies kann dir dann auch bei der Planung deines weiteren Lebensweges helfen.

Setz dir Ziele

Was genau möchtest du tun? Was möchtest du erreichen oder lernen, was mitnehmen und später anwenden? Sich solche Fragen schon vor Antritt der Tätigkeit zu stellen, ist eine hilfreiche Stütze, das volle Potenzial aus seinem Praktikum und Co herauszuholen. Während du arbeitest, solltest du dir diese Ziele immer wieder vor Augen führen und aktiv dafür sorgen, dass du diese Ziele am Ende auch erfüllst bzw. erreichst. Sprich diese auch notfalls schon beim Bewerbungsgespräch an und überlege dir mit deinen Vorgesetzten, wie du diese Ziele am besten angehst. So schlägst du zwei Fliegen mit einer Klappe: Du zeigst einerseits Initiative und Ehrgeiz, und auf der anderen Seite kannst du sicher gehen, dass du nicht nur für Botengänge und fürs Kaffeekochen »missbraucht« wirst.

Baue eine gute Beziehung zu den Mitarbeiter*innen auf und bleib in Kontakt

Deine Kolleg*innen werden wichtige Ansprechpartner*innen sowohl für dich als auch für deine*n Vorgesetzte*n sein. Daher ist es wichtig, dass du die Beziehung zu ihnen von vornherein positiv gestaltest und aufrichtiges Interesse an ihnen und ihrer Arbeit zeigst. Da du die meiste Zeit deines Tages mit deinen Kolleg*innen verbringst und eine gute Arbeitsatmosphäre einen wichtigen Teil des Arbeitsalltags ausmacht, sollte dies eine top Priorität für dich sein. Selbst wenn du vielleicht nicht gerne Smalltalk hältst, können die Mittagspause oder das wöchentliche Feierabendbier wunderbare Gelegenheiten sein, sich auszutauschen und die Kolleg*innen näher kennen zu lernen. Auch wenn Smalltalk am Anfang dazu gehört, finden sich bestimmt auch ein paar nette Gesprächspartner*innen, mit denen du bestimmte Interessen teilst und so schnell über die gewöhnlichen Themen Wetter und Co hinaus kommst. Unterschätze auch nicht, dass sie dir wichtige Hilfestellungen in Bezug auf deine Arbeit geben oder auch ein gutes Wort für dich einlegen können, so dass du, wie oben bereits erwähnt, vielleicht auch so zu anderen Tätigkeiten kommst.

Tausche auch LinkedIn- oder Xing-Kontaktdaten aus und bleibe auch über deine Tätigkeit hinaus noch mit ihnen in Kontakt, denn sie bieten tolle Referenzen (z.B. wenn du Empfehlungsschreiben benötigst). Darüber hinaus können sie dir möglicherweise aber auch Hinweise auf offene Stellenangebote geben, die vor allem im Non-Profit-Sektor von hoher Bedeutung sein können (Stichwort »Verdeckter Arbeitsmarkt«).

Wenn du nicht genau weißt, wie du mit deinen Kolleg*innen in Kontakt treten sollst, dann kombiniere doch einfach den Punkt »Sei neugierig und stell viele Fragen« mit diesem hier und komme über arbeitsbezogene Fragen in ein Gespräch. Ein Interesse an der Arbeit des Gegenübers ist immer ein guter Eisbrecher, denn die meisten Menschen reden gerne über ihre Tätigkeiten (schließlich beschäftigen sie sich auch die meiste Zeit des Tages damit ;D).

Aktualisiere deinen Lebenslauf

Bist du am Ende deiner Tätigkeit angekommen, ist es ebenfalls wichtig, dass du deinen Lebenslauf mit deiner neuesten (Berufs-)Erfahrung aktualisierst. Auch deine LinkedIn und Xing-Profile sollten immer auf dem neuesten Stand sein, damit du bei zukünftigen Bewerbungen und Job-Interviews damit glänzen kannst. Füge auch immer eine kleine stichpunktartige Übersicht deiner konkreten Arbeitsaufgaben während deiner Tätigkeit hinzu - dies hilft den Recruiter*innen, deine Fähigkeiten und Erfahrungen besser einzuschätzen und gibt dir beim Vorstellungsgespräch zusätzlich die Möglichkeit, näher auf diese einzugehen.

Pro Tipp

Geh nicht einfach nur zur Arbeit, erledige deine Aufgaben und verabschiede dich dann so schnell wie möglich in den Feierabend. Nutze deine Zeit in dieser Position weise und engagiere dich auch aktiv im Büro mit. Z.B. könntest du Kolleg*innen dabei helfen, Geburtstagsgeschenke zu organisieren oder das wöchentliche Feierabendbier vorzubereiten - selbst wenn es nur darum geht, das Geld einzusammeln oder eine Reminder-Rundmail an die Kolleg*innen zu schicken. Durch solche Initiativen schindest du Eindruck und kommst gut bei deinen Kolleg*innen an. Schließlich geht es neben dem Erlernen von Hard Skills auch darum, dich auf den Büroalltag und die damit verbundenen Soft Skills vorzubereiten. Selbst wenn du letzen Endes das Freiberuflertum oder die Selbstständigkeit anstrebst, sind solche Fähigkeiten immer nützliche Wegbegleiter, die dir den (beruflichen) Alltag erleichtern. Und wenn du dich an die Tipps hältst, wird dein beruflicher Werdegang mit sicherheit zum Erfolg.

Viel Spaß dabei!

Tipps wie du ein Praktikum, eine Werkstudententätigkeit oder ein feste Stelle im Nachhaltigkeitssektor ergatterst, erfährst du in folgenden Artikeln:

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