Gastartikel

Transformation gestalten durch Kollaboration: Den Schalter auf Nachhaltigkeit umlegen – aber wie?!

Du möchtest dein Leben nachhaltiger gestalten, doch die Wirkung hält sich in Grenzen? Vom Wissen zum Handeln zu kommen, fällt uns allen nicht leicht. Muss das so sein? Natürlich nicht. Wie wäre es, statt über die Ausgestaltung von Nachhaltigkeit zu streiten, einfach eine universelle Umsetzungsmethode – ähnlich wie eine Sprache zu erlernen? Eine Sprache, die sich im Privatleben ebenso anwenden lässt wie im eigenen Unternehmen, in Teams oder Organisationen. Martin Fielko vom Collective Leadership Institute über kollaboratives Denken und Handeln als Schlüssel zur Transformation – im Kleinen wie im Großen.

Die meisten von uns – und mit Sicherheit fast alle Impactify-Mitglieder und -Interessent*innen – wünschen sich, nachhaltiger zu leben. Nur müssen wir oft ernüchtert feststellen, dass der eigene Verzicht auf z.B. Fleisch, Flugzeug und Plastik in der Gesamtbilanz scheinbar nicht so richtig ankommt. Im Gegenteil, wir müssen sogar auf etwas verzichten, was für sich genommen manchmal gar nicht unbedingt etwas Schlechtes sein muss, wie z.B. die Reise in ein fernes Land. Auch am Arbeitsplatz ist Nachhaltigkeit oft nur ein Nice-to-have-Thema, mit dem man sich schmücken kann, wenn es keinem weh tut, das aber dort aufhört, wo beispielsweise Dienstwagenprivilegien, Expansionsschritte oder mangelnde Einpreisung von Umwelt- und Sozialkosten infrage gestellt werden.

Warum kommen wir nicht vom Wissen zum Handeln?

Die Antwort ist recht einfach: Es gibt eben nicht einfach einen Schalter, den wir auf Nachhaltigkeit umlegen können. Ein bisschen Konsumverzicht hier, ein bisschen Elektromobilität da, und dann wird es schon wieder passen. Die Technik, um den großen Fragen unserer Zeit wie Klimawandel, Ungleichheiten oder Pandemiebekämpfung zu begegnen, sind doch längst da. Das wäre toll und ist auch mit unserem gängigen Denkparadigma des »Ursache → Wirkung« gut vereinbar. Das Problem: Es gibt – um im technischen Bild zu bleiben – eben nicht nur den einen Schalter, sondern Stand Ende 2020 etwa 7.837.693.000 – zugegebenermaßen unterschiedlich große – solche »Schalter«. Und ein Großteil davon entscheidet sich – entgegen unserer privilegierten Sicht – täglich dafür, den Schalter nicht auf unser Verständnis von Nachhaltigkeit umzulegen. Sei es aus Hunger, um der Armut zu entkommen, ein gesundes Leben führen zu können oder seinen Kindern Schulbildung zu ermöglichen.

Die 17 globalen Nachhaltigkeitsziele (SDGs) der UN-Agenda 2030 zeigen sehr gut auf, dass die bei uns häufig diskutierten Ziele 11-13 (nachhaltige Städte und Gemeinden, verantwortungsvolle Konsum- und Produktionsmuster, Maßnahmen zum Klimaschutz) eben nur einen Bruchteil der nötigen Transformationen in Richtung Nachhaltigkeit darstellen und teilweise im krassen Gegensatz zur Erreichung der oben indirekt beschriebenen Ziele 1-4 (Keine Armut, zero Hunger, Gesundheit und Wohlbefinden, gute Bildung) stehen.

Bevor wir auf die Frage kommen, wie denn diese 17 hochgesteckten Ziele erreichbar sind, ein kurzer Ausflug in die dafür offensichtlich nötigen Transformationen.

Was sind Transformationen?

Wikipedia zeigt, dass es je nach Fachgebiet zahlreiche Definitionen für Transformation gibt. Generell kann man das Wort in der Einzahl erst einmal als »Wandel« definieren. Warum sprechen wir hier von nötigen Nachhaltigkeitstransformationen, also in der Mehrzahl? Weil der nötige Wandel auf ganz verschiedenen Ebenen möglichst gleichzeitig geschehen muss, um eine Wirkung zu erzielen. Schauen wir uns die letzten beiden großen Transformationen in Deutschland näher an (natürlich hier nur sehr oberflächlich), erkennen wir möglicherweise Muster, die uns vom Wissen zum Handeln bringen können.

1945 – Stunde Null: Nazideutschland ist besiegt und liegt in Trümmern. Alle sind sich einig: Das alte System hat ausgedient. Über die Ausgestaltung des neuen Systems gibt es Streit zwischen den Siegermächten, der schließlich zur Teilung Deutschlands und Europas führt. Im Ergebnis lässt sich aber festhalten, dass damit eine bis dahin nie dagewesene Phase des Friedens (SDG 16, zumindest in vielen Teilen Europas) und des Wohlstands (SDG 8, mit Abstrichen auch im Osten Europas) eingeläutet wird, die bis heute Grundpfeiler unseres Selbstverständnisses sind. Hervorgerufen wurden diese damals radikalen Transformationen aber nur durch einen Krieg, der Millionen von Menschen das Leben gekostet hat und seine Ursache in den falschen Weichenstellungen nach dem vorangegangenen Ersten Weltkrieg hatte.

1989/90 – Wendezeit: Die Mauer fällt, die Teilung Deutschlands, Europas und der Welt wird überwunden. Wieder hat ein System ausgedient, doch diesmal wurde der Wandel (weitgehend) friedlich herbeigeführt. Auch wurde er nicht von Siegermächten initiiert, auch wenn diese natürlich bei der Ermöglichung und auch späteren Ausgestaltung dieses Wandels weiter eine wichtige Rolle spielten, sondern von der Zivilgesellschaft in den betroffenen Ländern durch mutige Einzelentscheidungen sowie gemeinschaftlichen Geist und Aktionen getragen.

Was können wir aus diesem Kurzausflug in die Geschichte für zukünftige Nachhaltigkeitstransformationen (oder sind wir möglicherweise gegenwärtig mitten in einer Transformation, in der Themen wie Gesundheit und Gemeinwohlinteressen bereits neu verhandelt werden?) mitnehmen und auch ganz konkret umsetzen? Einerseits: Wandel wird so oder so stattfinden. Entweder durch das »Überkochen« eines nicht mehr funktionierenden Systems oder durch kluges, vorausschauendes und entschlossenes Agieren und Anpacken der nötigen Transformationen, was einen geordneteren Übergang zu einem neuen Ist-Zustand ermöglicht. Und zweitens: Neben der großen Politik kann die*der Einzelne offensichtlich doch einen Unterschied ausmachen, idealerweise wenn beides (Politik- und Wirtschaftsentscheidungen, top-down) und zivilgesellschaftliches Engagement (bottom-up) auf gemeinsame Ziele hinarbeiten.

Zwei junge Frauen sitzen lachend auf einer Fensterbank

Doch wie kann das gelingen?

Nicht die, aber eine Antwort dazu finden wir wieder bei den SDGs, und zwar bei Ziel 17: Während alle anderen 16 Ziele sehr konkrete Vorstellungen davon entwickeln, was verbessert werden muss, um in einer nachhaltigeren Welt zu leben, formuliert Ziel 17 sehr klar das Wie: Nämlich Partnerschaften und Kooperationen für die Ziele. Die nötigen Transformationen können nur dann an Momentum gewinnen, wenn sich Akteure aus öffentlichem und privatem Sektor sowie der Zivilgesellschaft in Form von Multi-Akteurs-Partnerschaften zusammentun um sich darauf zu verständigen, wie das Was angegangen wird. Wir tun sehr gut daran, die Nachhaltigkeitsdiskussion weg vom Was zu lenken – denn Klimawandel wird für einige immer wichtiger sein als Armutsbekämpfung um umgekehrt – sondern hin zum Wie.

Um ganz konkret auf unsere Ausgangsproblematik zurückzukommen: Wie viele Fleischesser*innen hast du schon gefragt (nicht bekehrt!), ob sie mal ein pflanzliches Alternativprodukt mit dir zusammen essen würden? Wie viele Reiseanbieter*innen hast du schon gefragt, ob sie nicht zur Flugreise immer als Alternative den Kund*innen zusätzlich das Bahnangebot gleich mitzeigen und zum Flugpreis die Zusatzkosten für Gepäck und Transport vom und zum Flughafen ebenso auspreisen? Wie oft hast du beim Gang zur gelben Tonne nur gedacht, dass die Nachbar*innen mal ihren Plastikmüll reduzieren könnten und sie aber nicht darauf angesprochen? Würdest du deinen Vorgesetzten eher den Mittelfinger zeigen, nachdem du deren protzigen Dienstwagen im Stau überholt hast oder wartest du lieber am Eingang der Firma mit einem Lächeln auf sie warten und ihnen die neuesten Features deines E-Bikes vorführen? Die Ergebnisse auf diese Fragen fallen meist interessant aus, denn oft ist der oder die Gegenüber gar nicht so »blöd«, wie man denkt. Und selbst wenn mal eine blöde Reaktion kommt, kann man sich immer noch sagen, es zumindest versucht zu haben. Auf einer größeren Ebene bedeutet das, dass wir unsere eigene Welt nicht verändern können, wenn wir die Welt der anderen nicht verstehen. In Austausch zu treten (und zu bleiben) und genau diese andere Welt zu erkunden und zu verstehen zu lernen, ist in jedem Fall ein guter Anfang und bewirkt langfristig mehr als die technische Diskussion, ob wir nun heute wieder einen bestimmten Anteil CO2 gespart haben oder nicht.

Wichtig ist: Wandel kann nur im Austausch stattfinden. Transformationen können nur gemeinsam vorangetrieben werden. Nachhaltigkeit kann nur über Sektorgrenzen hinaus erreicht werden. Die gute Nachricht zum Schluss: Es gibt Methoden und Möglichkeiten, durch kollaboratives Denken und Handeln den Schalter (oder möglichst viele) auf Nachhaltigkeit umzulegen. Wir als Collective Leadership Institute bieten eine – nicht die, denn das wäre in unserer komplexen Welt anmaßend – Möglichkeit, die dafür nötigen Kompetenzen über unsere Trainings, Bücher, Online-Tools oder gemeinsame Projekte zu erlernen und anzuwenden. Collective Leadership kann also ähnlich wie eine Sprache erworben werden und in all unsere wichtigen Nachhaltigkeitsthemen einfließen, um so die erwünschte transformative Wirkung zu entfalten.

Mehr Information über die Kurse und Trainings (z.B. zum Thema Kollektive Führung, Stakeholder-Kollaboration und Transformationsgestaltung) auf der Homepage des Collective Leadership Instituts.

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Über den Autor

Martin Fielko ist Managing Partner beim Collective Leadership Institute und dort verantwortlich für die Bildungsprogramme und das Marketing. Dort gestaltet er seit 2016 neben der klassischen Kursentwicklung auch die zunehmend digitale Ausrichtung des Instituts mit. Zuvor arbeitete Martin 14 Jahre im Medien- und Verlagsbereich, vor allem mit dem Schwerpunkt auf das Thema berufliche Bildung. In seiner Freizeit ist er ein passionierter Floorballspieler und –trainer und interessiert sich für das Thema nachhaltige Finanzen.

Gastautor Martin Fielko


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